14 April 2016

Presseerklärung der Bezirkskonferenz Naturschutz: Naturschutz in OWL wird mehr und mehr aufgeweicht

Umweltminister Remmel besucht Bezirkskonferenz Naturschutz /
Naturschützer fürchten um Schutzgebiete in OWL und kritisieren Aufweichung der Gesetze

Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL freut sich sehr auf den Besuch von
NRW-Umweltminister Johannes Remmel anlässlich ihrer Sitzung am Freitag in Detmold. Die
Konferenz fordert den Minister und die Landesregierung aber gleichzeitig dazu auf, die
Naturschutzgebiete in Ostwestfalen-Lippe konsequenter zu schützen. Dies geschieht bisher
unzureichend, sagt der Sprecher der Bezirkskonferenz, Karsten Otte: „Auch muss der Entwurf des
Landesnaturschutzgesetz es in NRW in einigen Punkten pro mehr Naturschutz reformiert werden."

Schutzgebiet Weseraue unter Druck

Bestes Beispiel für den mangelhaften Schutz ist das Natur- und
Vogelschutzgebiet Weseraue bei Petershagen. Immer wieder werden hier Tiere von Wassersportlern, Jägern,Landwirten, Reitern, Spaziergängern und Radfahrern gestört. Die bekannten Störverbote werden zunehmend missachtet. Otte: „Manche Arten entwickeln mittlerweile ein ungewöhnliches
Fluchtverhalten." Darüber hinaus fehlen mehr und mehr extensive Grün- und Brachflächen. Maisanbau breitet sich drastisch aus.
Auf der anderen Seite drängen Windradbetreiber in Schutzregionen wie die
Weseraue, warnt die Bezirkskonferenz Naturschutz. Der Kreis Minden-Lübbecke ist zu einer
lukrativen Region für Investoren geworden. Das ist verständlich und nicht verwerflich.
Immerhin tragen regenerative Energien zur Energiewende bei. Aber umfangreiche Studien u.a. von Prof. Dr. Oliver Krüger (Universität Bielefeld) zeigen auch, welchen negativen Einfluss die
Windenergie auf die Populationen von Großvögeln hat. Das betrifft selbst jene Tiere, von
denen wir meinen, sie seien noch allgegenwärtig, etwa den Mäusebussard.
Windkraftbetreibern wird Tür und Tor geöffnet Hier fordert die Bezirkskonferenz ganz klar, dass der Schutzstatus von 1.200 Meter zu den Grenzen der Schutzgebiete eingehalten werden muss. Die Entwürfe für das neue Landesnaturschutzgesetz deuten jedoch nicht darauf hin. Ohnehin befürchtet die Bezirkskonferenz Naturschutz, dass die Landesregierung mit dem neuen Gesetz den  Windradbetreibern in der freien Landschaft Tür und Tor öffnen will. „Zwar erlaubt die Zuständigkeit des Bundes (in Form des Bundesnaturschutzgesetzes) kaum eine Abweichung, aber NRW möchte, dass Wirtschaftsverbände wie der der Windradbetreiber bis in die Landschaftsbeiräte
hineinregieren können", sagt Karsten Otte. „Ihre Verbände sollen dort zukünftig vertreten sein. Heißt das, dass wir irgendwann auch die naturschutzfeindliche IHK oder andere Wirtschaftsverbände dort haben?"

Die Konferenz ist deshalb sehr gespannt, wie sich Umweltminister
Johannes Remmel zu diesen Punkten verhalten wird. Auch ist sie neugierig, wie das Land den um sich greifenden Artenschwund in der Kulturlandschaft bremsen will: das Verschwinden von Kiebitz,
Feldlerche, Scheckenfalter und vieler anderer Arten, die in über 1000-jähriger Koexistenz mit
unserer Landwirtschaft zu nicht wegzudenkenden Lebewesen unserer Kulturlandschaftsfauna geworden sind. „Dieses ́genetische Kapital ́ wird von der modernen Landwirtschaft zunehmend
verwirtschaftet." Gerade der Prozess zum Landesentwicklungsplan (LEP)
hat der Bezirkskonferenz Naturschutz gezeigt, dass die Planungen des Landes aufmerksam
begleitet werden müssen. „Hier wurde deutlich, dass die Politik in OWL kaum Verantwortung für natürliche Freiräume in unserer Region zeigt", kritisiert Karsten Otte. „Die Detmolder Erklärung war ein Armutszeugnis in dieser Hinsicht.
Dennoch gehorchte das Land und seine ursprünglichen Ziele zur
Verhinderung des Flächenverbrauchs zurückgenommen." Andererseits sieht der LEP -Entwurf
den Nationalpark Senne vor.

Bezirkskonferenz erinnert an Gert Ziegler

Die Mitstreiter der Bezirkskonferenz Naturschutz können also auch
Erfolge verzeichnen. Mitunter geht das nur mit gesellschaftlichem Druck und Streit. Zu diesen
engagierten Streitern gehörte in den vergangenen Jahrzehnten zum Beispiel Gert Ziegler, ein konsequenter Naturschützer, der sich sein
Leben lang vehement für den Schutz der Weseraue eingesetzt hat. Er ist
kürzlich im Alter von 88 Jahren verstorben. „Wir bedanken uns für sein unermüdliches Wirken",
sagt Lothar Meckling, NABU-Vorsitzender in Minden-Lübbecke: „Ohne ihn gäbe es die Schutzregion Weseraue so nicht."

Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich diese Presseerklärung. Weitere Informationen unter www.bezirkskonferenz-naturschutz.de. HJ Uffmann

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Schlachten sind heutzutage schon verloren, noch bevor sie geschlagen werden.

Wenn sich selbst Ottonormal Verbraucher einen feuchten Kehricht um Naturschutz "im kleinen" kümmern (Als Beispiel seien an der Stelle mal die Hundebesitzer genannt..), wie soll man dann erwarten, das sich Windkraftkonzerne und Agrarriesen vom Naturschutzgedanken aufhalten lassen.

Aber was soll es, erfreuen wir uns lieber an weitere 7 Jahre Glyphosat auf unseren Feldern.


MfG L.E.

Elke Schwarzer hat gesagt…

Hallo,
auch die Stadtnatur in Bielefeld ist in Gefahr - die Eisvögel an der Lutter werden bald weniger Lebensraum haben, wenn die B66n den Bielefelder Osten durchschneidet.

Daher meine Bitte an alle Bielefelder und solche, die Bielefeld und seine Grünanlagen mögen: Erhebt Einspruch gegen die Pläne der IHK, die die Stadtautobahn quer durch den Bielefelder Osten wieder in den Bundesverkehrswegeplan bringen wollen. Die B66n würde Schrebergärten, Hausgärten und Parks zerstören, die artenreich sind und in der Innenstadt durch nichts zu ersetzen. Mal abgesehen von Lärm und Abgasen!

Bis zum 2. Mai 2016 hat jeder die Möglichkeit, Einwände gegen den Plan geltend zu machen.

Nutzt die Möglichkeit zur persönlichen Stellungnahme unter:
http://bit.ly/b66n-beteiligung
http://www.bmvi.de/…/StellungnahmeA…/stellungnahme_node.html
oder per Post an: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat G12, Invalidenstraße
44,10115 Berlin, Stichwort "BVWP 2030".
Besondere Formen der Stellungnahme sind dabei nicht zu beachten.
Schreibt zum Beispiel:
„Den geplanten Neubau der B66n in Bielefeld lehne ich ab. Bielefeld verträgt keine zusätzliche
Stadtautobahn."

Viele Grüße
Elke