09 Juni 2013

Wanderfalke an den Extersteinen - 1885

Eine interessante Quelle aus alter Zeit habe ich jetzt aus der Bibliothek des Landesmuseums für Naturkunde in Münster bekommen.
Im Jahresbericht der Zoologischen Sektion für 1885 schreibt Lehrer Heinrich Schacht aus Feldrom, der vom Präparator Koch eine Nachricht über den von diesem entdeckten Brutplatz an den Externsteinen bekommen hatte:
"Ein neuer furchtbarer Räuber hat sich in unserem Walde angesiedelt und verbreitet überall in der Vogelwelt Tod und Verderben. Es ist dies kein anderer, als der Wanderfalk, Falco peregrinus, der in einem hoch am Knickenhagen isoliert stehenden Felsen der Externsteine, auf welchem Bandel früher einmal seine Hermannsstatue zu errichten gedachte, seine Raubburg aufgeschlagen hat und augenblicklich eifrig bemüht ist, seinen Jungen, meist 4-5 an der Zahl, die benötigte Nachrung zuzutragen. Der Vogel muß schon seit zwei Jahren dort gehaust haben, weil in dieser Zeit wenigstens 30 Stück gestempelte Brieftauben-Schwingen in der Nähe des Knickenhagens aufgefunden wurden, doch setzte ich diese Räubereien immer auf das Konto des Astur palumbarius (Habicht. E.M.), der nicht weit von dort auf der kleinen Egge seinen Horst hat, der in Rede stehende Felsen aber bislang nur vom Turmfalken, einem harmlosen Raubvogel, bewohnt war. Letzterer hat natürlich mit dem Einzuge des edlen Räubers, der seine Beute nur im Fluge erbeutet, das Feld geräumt. Herr R. Koch aus Münster, der am vergangenen Sonntage bei mir zum Besuche war, hat den Edelfalken noch an demselben Tage am Steine entdeckt und mir nach einigen Tagen die Gegenwart des gefährlichen Räubers mitgeteilt. Ich begab mich sofort nach dem Steine und fand die Angabe vollauf bestätigt. Als ich mich dem Felsen näherte, sah ich das Männchen hoch oben in einer Spalte sitzen und erst als ich unterhalb des Felsens in die Hände klatschte, strich der Vogel mit einem lauten 'Gia' davon. Selbstverständlich werden die Tage des edlen Räuberpaares und seiner blaubütigen Descendenz jetzt gezählt sein, hat doch auch neuerdings die preußische Regierung auf die Erlegung des Wanderfalken, als des gefährlichsten Brieftaubenmörders, alle Forst- und Jagdbeamten der Monarchie besonders hingewiesen und eine bedeutende Abschußprämie zugesichert."
 
Eckhard Möller